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Herr Lazar Cvetkovic erneut im Interview

Betriebsleiter „Produktion“ Herr Lazar Cvetkovic erneut im Interview zur neu angeschafften Offset-Druckmaschine – ein Dutzend Fragen:

Wenner-Redaktion
Hallo, Herr Cvetkovic. Heute möchten wir gern etwas zu unserer neu angeschafften Druckmaschine von Ihnen als Betriebsleiter Produktion erfahren. Was wird eigentlich alles bei uns gedruckt?

Lazar Cvetkovic
Inzwischen werden ca. 50 % unserer Aufträge bedruckt ausgeliefert. Schwere Kartonage in unterschiedlichen Formen und für unterschiedliche Einsatzbereiche u. a. auch regaltaugliche Kartons mit Abreißdeckel, die dem Kunden ein gut aufgestelltes Sortiment zeigen. Der Schwerpunkt unserer Kunden kommt aus der Fleisch- und Wurstwarenindustrie. Die Anforderungen gehen von dem Aufdruck der Haltbarkeitsdaten, Logo und Firmenname bis hin zu Serviervorschlägen, Bilder, die im Regal ansprechen.

Wenner-Redaktion
Das Wort „Druckveredelung“ ist durchaus bekannt. Aber was genau heißt das eigentlich?

Lazar Cvetkovic
Veredelung basiert auf dem Finish mit Lacken. Je nach Anforderung werden Hochglanz- oder Mattlacke eingesetzt. Hierbei gibt es Unterschiede im Glanzgrad, der meistens auch verantwortlich dafür ist, wie rutschig die Oberfläche wird, was Probleme bei der Logistik für den Kunden aufwerfen kann.
Kartons könnten beim Transport ins Rutschen kommen. Gerade Kunden, die die Ökoschiene fahren, bevorzugen mattes Finish, da das Auge dies als eher naturverbunden wahrnimmt. Eine Folienprägung, wie sie in der Süßwarenindustrie üblicherweise eingesetzt wird, bieten wir bei Wenner nicht an.

Wenner-Redaktion
Und wie ist das mit dem Design? Haben wir das in der Hand?

Lazar Cvetkovic
Nein, heute leider nicht mehr. Die Daten für den Druck erhalten wir heute immer direkt vom Kunden oder der Agentur, mit der er arbeitet.

Wenner-Redaktion
Welche Schwerpunkte haben wir dann in unserem Druckbereich zu beachten?

Lazar Cvetkovic
Das große Problem vieler Anbieter ist die Stärke der zu bedruckenden Kartonage. Während eine Standardmaschine in der Regel Material von 0,1 mm – 1,0 mm Stärke schafft, können unsere Maschinen auch Stärken von 0,4 mm – 1,6/1,7 mm bedrucken. Schwerpunktmäßig haben wir Aufträge im Bereich 0,9 mm – 1,3 mm.

Wenner-Redaktion
Ja und das hat bis letztes Jahr alles mit einer einzigen Druckmaschine geklappt. Warum also wurde eine zweite angeschafft?

Lazar Cvetkovic
Natürlich ist das Ziel eines jeden Unternehmens eine Umsatzentwicklung nach oben. Ist bei uns nicht anders. Logischerweise kommt dann irgendwann jede Maschine an ihr Limit. Somit hat sich die Unternehmensleitung zukunftsorientiert dafür entschieden, frühzeitig eine zweite Maschine anzuschaffen, die sowohl weitere künftige Umsatzsteigerungen ohne Unterbrechung ermöglichen kann, als auch jetzt schon eine Redundanz bietet, wenn eine der beiden Maschinen etwa für Wartungs- oder Umrüstarbeiten stillstehen muss. Bisher war es so, dass in dem Fall auch einmal bis zu drei Tagen die Produktion stand. In dieser Zeit wollten unsere Kunden aber dennoch bedient werden, sodass die Aufträge außer Haus gegeben werden mussten, was mit entsprechenden Kosten und Risiken verbunden war. Mit zwei Maschinen gibt es dieses Problem aktuell gar nicht mehr, weil ja schon die erste noch nicht am Limit ihrer Leistungskapazität war. Wir können jetzt ohne Bauchschmerzen allen Aufträgen entgegensehen und gerecht werden, die aus einer Kundschaft kommt, die immer unterschiedlicher, bunter wird mit ihren Ansprüchen.

Die erste Maschine, die manroland, war bei ihrer Anschaffung von einem Unternehmen, das eines der stärksten in Europa mit sehr gutem Service war. Inzwischen ist das Unternehmen allerdings leider aufgrund der Bankenkriese in andere Hände gegangen und ist leider im Bereich Service anders aufgestellt, sodass wir uns auch ein Angebot der Firma König und Bauer eingeholt und angenommen haben. Neben manroland zählt König und Bauer ebenfalls zu den stärksten am europäischen Markt, das übrigens seinerzeit das früher im Osten für Druckmaschinen führende Unternehmen Planeta aufgekauft hatte.

Wenner-Redaktion
Wie ist es denn aktuell mit dem Einsatz der neuen Maschine bei uns?

Lazar Cvetkovic
Die neue Maschine haben wir seit September 2020 im Einsatz. Wie schon bei der ersten wurde sie natürlich mit Grundeinstellungen und groben Anpassungen für unsere Ansprüche geliefert. Das „Feintuning“ – also die Anpassung an unsere individuellen Anforderungen im Detail – hatte damals bei der ersten ca. ein halbes bis dreiviertel Jahr gedauert. Die gleiche Zeit werden wir auch für die neue Maschine benötigen. Bisher haben die aufgefallenen Anpassungen zu unserer Zufriedenheit gut funktioniert. Wir erwarten auch nicht, dass sich dies ändert.

Wenner-Redaktion
Nun interessiert uns, ob die neue Maschine im Vergleich zu der alten einen zusätzlichen Mehrwert liefert.

Lazar Cvetkovic

Einen klaren Vorteil bietet die neue Maschine gegenüber der alten durch ihre höhere Geschwindigkeit. Im Übrigen gibt es keine zusätzlichen Leistungen. Im Gegenteil. Die alte verfügt über 6 Farbwerke, die neue nur über 5. Aber das behindert nicht die Ergebnisse für unsere Kunden.

Der tatsächliche Mehrwert besteht einfach in einer viel besseren Planbarkeit der vorbeugenden Instandhaltung und einer durchgängig möglichen Produktion. Wir müssen keine Aufträge mehr außer Haus geben, denn es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass nun beide Maschinen gleichzeitig ausfallen würden. Es ist eine sehr hohe Sicherheit durch die Redundanz der beiden Maschinen gewährleistet. Auch können wir kurzfristig eingehende Aufträge nun außerplanmäßig annehmen.
Für 2021 werden wir in der Gesamtproduktion bei ähnlichen Zahlen liegen wie 2020. Eine Produktionssteigerung sehen wir gewinnbringend eher durch einen sukzessiven Ausbau unserer Kapazitäten, sowohl mitarbeiterverträglich als auch investitionsverträglich mit kalkulierbaren Risiken.
Im Druckbereich rechnen wir für 2021 allerdings mit einer Zunahme der Druckaufträge, weil die Kundenwünsche eben auch immer bunter werden. Während wir im letzten Jahr ca. 55 t Druckfarben und Lacke verarbeitet haben, rechnen wir für das laufende Jahr mit ca. 60 t.

Wenner-Redaktion
Wie ist denn der prozentuale Anteil der zu verarbeitenden Lacke zu den Druckfarben als Rohstoff?

Lazar Cvetkovic
So kann man die Frage nicht stellen. Druckfarben sind ja keine Alternative zu Lacken. Vielmehr sind die Lacke als Finish zum Farbdruck zu sehen, der bei uns aus den vier Grundfarben gelb, rot, schwarz und blau besteht. Der Druck erfolgt dabei in 60 Punkten/mm, die so gesetzt werden, dass sie dem menschlichen Auge eine viel höhere Anzahl an Farben suggerieren, sodass ein wirklich buntes Bild entsteht. Diese Daten werden automatisch durch die gelieferten Druckdaten von der Druckmaschine übernommen. Der Lack ist einerseits natürlich ein Mittel, das die Optik in hohem Maße beeinflusst, aber eben auch der wichtige Schutz für die Farben, da er Scheuern und Schmieren der Farben verhindert.

Wenner-Redaktion
Umweltfreundlichkeit ist ja unser Anspruch. Wie passt das zum Bedrucken der Kartonage?

Lazar Cvetkovic
Wir bei Wenner haben uns schon frühzeitig für den Einsatz migrationsarmer Farben entschieden. Das heißt, dass die von uns verwendeten Farben keine Mineralöle enthalten. Wir beziehen die am Markt verfügbaren umweltfreundlichen Produkte, wobei wir höchsten Wert auf Qualität legen. Aber nicht nur für den Druck verwenden wir migrationsarme Farben, sondern auch für die Instandhaltung der Druckmaschinen verwenden wir ausschließlich spezielle Schmieröle und Fette, die migrationsarm sind.

Wenner-Redaktion
Der Begriff „lebensmittelecht“ ist noch nachvollziehbar. Aber was bedeutet „Lebensmittelfreundlichkeit“ genau?

Lazar Cvetkovic

Lebensmittelecht bezeichnet Stoffe, die einen direkten Kontakt mit den Lebensmitteln eingehen können und dürfen.

Kartons haben keinen direkten Kontakt zu den Lebensmitteln. Dennoch können Farben und Lacke sich auf Geruch und Geschmack der Lebensmittel, die in den Kartons verpackt werden, auswirken. Mit dem Lebensmittel vermischen dürfen sie sich natürlich nicht. Damit eben Lebensmittel auch bei einer längeren Verweildauer im Karton nicht beeinträchtigt werden, ist bei uns der Einsatz von migrationsarmen Farben unser Beitrag zur Lebensmittelfreundlichkeit.

Wenner-Redaktion
Beide Maschinen stehen in ein und derselben Halle. Warum bei der vorhandenen Arealgröße?

Lazar Cvetkovic

Es gibt dadurch einfach nur Vorteile, da wir ja Spezialmaschinen und ein tolles Wärmeableitsystem in der Halle haben. Hätten wir dieses nicht, dann könnte eine unterschiedliche Wärmeentwicklung zweier Maschinen ein Nachteil sein.

Die Vorteile liegen einfach klar auf der Hand durch die für beide Maschinen vorhandene Komplett-Peripherie und automatisierte Logistik sowohl vor den Maschinen als auch dahinter. Bei uns ist innerhalb von sechs Minuten eine angefahrene Palette leer.

Die Palettenanlieferung wird von einer zentralen „Annahmestelle“ automatisch auf die Förderbänder beider Maschinen kanalisiert. Das Gleiche geschieht nach dem Druck in Richtung Aufnahme-Palette.

Beide Maschinen werden ebenfalls zentral mit Farben versorgt.

Da die Maschinen auch noch auf einem Podest in gleicher Höhe aufgestellt sind, hat hier der verantwortliche Drucker, der die Maschinen steuert, so die Möglichkeit, sich auch einmal ganz kurzfristig zu entfernen, ohne die Produktion anhalten zu müssen. Also beide Maschinen in derselben Halle spart schlicht und ergreifend in jeder Hinsicht Kapazitäten.

Wenner-Redaktion
Sie sagten „der verantwortliche Drucker“. Gibt es unabhängig von Ihnen jemanden, der für den gesamten Druckbereich verantwortlich ist?

Lazar Cvetkovic
Ja, das darf ich wohl – nicht ganz ohne Stolz – sagen, das ist mein Sohn, Jan. Er ist gelernter Drucker. Seine Ausbildung hat er bei Kolbe-Druck gemacht und war damit schon früh mit dem Thema Offset-Druck vertraut.
Als wir bei Wenner vor gut 13 Jahren planten, zu Offset überzugehen, habe ich mich gefreut, meinen Sohn, der in diesem Bereich bereits Kenntnisse hatte, quasi als persönlichen Berater zu haben, denn für uns war das damals Neuland. So hat es sich einfach ergeben, dass er von der ersten Minute an dabei war und 2009 auch Mitarbeiter als Drucker bei Wenner wurde.
Seit Anfang 2021 ist er als Abteilungsleiter für den Druckbereich im Produktionsleitungsteam. Dieses besteht aus den Abteilungsleitern für die Spezialbereiche Drucken, Kleben und Stanzen. Ebenso im Team ist die Haustechnik gesondert vertreten.

Wenner-Redaktion
Wieder vielen, vielen Dank, lieber Herr Cvetkovic, dass Sie sich die Zeit für uns und unsere Wissbegierde genommen haben. Wir haben viel erfahren und lernen dürfen zum Thema Druck und warum es für Wenner konsequent war, die Investition in eine weitere Spezial-Druckmaschine getätigt zu haben.

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