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Eric Rehbock: „Recyclingkunststoff darf und muss mehr kosten als konventioneller Kunststoff“

Die Entsorgungswirtschaft ist derzeit in Bewegung – und der Mittelstand steht unter Druck wie selten zuvor. Neue, finanzkräftige Akteure drängen in einen Markt, in dem das Recycling mit strukturellen Problemen und die Verbrennung mit knappen Kapazitäten zu kämpfen haben, der aber für den Klimaschutz von strategischer Bedeutung ist. bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock sprach mit EUWID über die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die derzeitigen Herausforderungen und die Chancen des Mittelstandes. Themen sind dabei unter anderem auch die knappen Verbrennungskapazitäten, die Probleme bei der Verpackungsentsorgung sowie bei der Sammlung von Altgeräten mit lithiumhaltigen Batterien.

Herr Rehbock, verstärkte Konzentrationstendenzen und Übernahmeaktivitäten durch Großkonzerne und neu in den Markt tretende Akteure auf der einen Seite, zunehmende Bestrebungen zur Rekommunalisierung auf der anderen Seite – wie können sich die eher mittelständisch geprägten Mitgliedsunternehmen in diesem Marktumfeld behaupten?
Das ist zugegebener Maßen keine komfortable Situation. Allerdings zeichnet sich der Mittelstand durch Mut, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Innovationsfreude aus. Die Unternehmen nutzen vorhandene Spielräume, bringen ihre Expertise und ihr Engagement ein. Das imponiert den Kunden.
Im Bereich der Verpackungsentsorgung stehen steigenden Kosten und knappen Kapazitäten in der Sortierung ambitionierte Quoten im neuen Verpackungsgesetz gegenüber. Wie kann das bestehende System noch zum Erfolg werden?
Die Recyclingquoten sind meiner Meinung nach nur einzuhalten, wenn ausschließlich recyclingfähige Verpackungen in den Markt kommen. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Außerdem muss das Sammelsystem qualitativ verbessert werden. Einmal über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und zum anderen über eine qualitative Abstimmung mit den kommunalen Systemen. Es kann nicht angehen, dass die Kommunen ihre Sammelsysteme, vor allem für Restmüll, auf Kosten der Qualität der LVP-Sammlung optimieren.
Wir müssen uns außerdem von der Billigheimer-Mentalität verabschieden. Die Recyclingindustrie ermöglicht der kunststoffverarbeitenden Industrie, ausgewählte Produkte ressourcen- und umweltschonend herzustellen und damit von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft zu kommen. Zusätzlich wird dadurch der CO2-Abdruck der Produkte deutlich reduziert. Wir produzieren also einen handfesten Mehrwert und dieser Mehrwert muss sich natürlich auch im Preis abbilden. Deshalb muss und darf Recyclingkunststoff mehr kosten als konventioneller Kunststoff. Im Gegenzug setzen wir uns dafür ein, dass die Unternehmen, die Recyclingprodukte einsetzen, von CO2-Gutschriften profitieren können. So kann Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz vorangebracht werden.

Das komplette Gespräch mit Eric Rehbock lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 38/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht das Interview auch in unserem E-Paper zur Verfügung:

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Mehrwegquote sinkt weiter

In Deutschland wurden 2017 erneut weniger Getränke in Mehrwegflaschen verkauft. Nach der neuesten Auswertung für das Umweltbundesamt wurden 2017 43,6 Prozent der in Deutschland verbrauchten Getränke in Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweg-Verpackungen (MövE-Verpackungen) verpackt.  Damit liegt der Mehrweganteil nach wie vor deutlich unter dem im Verpackungsgesetz vorgegebenen Ziel von 70 Prozent.
Gegenüber 2016 sank die Quote um 0,6 Prozentpunkte. Der MövE-Anteil sank bei Erfrischungsgetränken um 1,7 Prozent auf 23,1 Prozent, bei Wasser um 0,3 Prozent auf 38,4 Prozent und bei Bier um 0,2 Prozent auf 81,9 Prozent. Der Getränkeverbrauch in Mehrweg ging um 0,7 Prozentpunkte auf 42,2 Prozent zurück. Ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen (övE) konnten dagegen ihren Marktanteil um 0,1 Prozentpunkte geringfügig auf 1,5 Prozentpunkte erweitern.
Wie UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte, seien kurze Transportwege und Mehrwegverpackungen wichtig, um Umweltbelastungen und Abfälle zu vermeiden. „Dafür brauchen wir gut funktionierende Mehrwegsysteme. Alle Supermärkte und Verkaufsstellen von Getränken sollten möglichst viele Getränke in Mehrwegflaschen anbieten und so dazu beitragen, weniger Abfälle zu erzeugen.“ Dies gehe am besten mit Mehrwegpoolflaschen, aus denen sich viele Abfüller bedienen können und die von jedem befüllt werden können. Das sei für die Umwelt besser als individuell gestaltete Flaschen- und Kästen, die nur ein Abfüller zurücknimmt, so Krautzberger.

Weig und Greencycle streben hohe sechsstellige Tonnage auf neuer Altpapier-Handelsplattform an

Die Schwarz-Tochter Greencycle und der Kartonhersteller Weig wollen den Altpapierhandel mit einer neuen Onlinehandelsplattform transparenter und effizienter machen. Über die vom Gemeinschaftsunternehmen WR Wertstoffbörse Recycling GmbH & Co. KG betriebene und vor Kurzem online gegangene Plattform Recyfy soll künftig ein relevanter Teil der in Deutschland gehandelten Altpapiermenge laufen. Weig und Greencyle streben schon für das kommende Jahr beim Handelsvolumen eine Tonnage „im hohen sechsstelligen Bereich an“.
Konkrete Zahlen zur erwarteten Teilnehmerzahl wollte WR zwar nicht nennen. Das Unternehmen geht aber davon aus, „dass sich 2020 der Großteil der Akteure des Altpapierhandels dem Handel über die Plattform geöffnet hat.“ In den kommenden Jahren soll sich Recyfy zum führenden Marktplatz im Altpapierhandel entwickeln.
Dafür wollen der Kartonhersteller Weig, der über die Nord-Westdeutsche Papierrohstoff GmbH & Co. KG (NWD) im Handel tätig ist, und die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl und Kaufland auch der Entsorger Prezero gehört, von Beginn an einen „substantiellen Anteil“ ihrer Mengen auf der Plattform anbieten. In den kommenden Jahren soll dann zunehmend mehr Altpapier der Partner über Recyfy angeboten werden.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 38/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht der Text bereits im E-Paper zur Verfügung:

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Hessische FDP warnt vor Entsorgungsnotstand bei Bauschutt

In Hessen werden die Entsorgungskapazitäten für Bauschutt und Erdaushub knapp. Aus Sicht der FDP-Fraktion steuert das Land auf einen Entsorgungsnotstand zu. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet hätten sich die verfügbaren Kapazitäten drastisch verkleinert, warnt der wirtschaftspolitische Sprecher Stefan Naas und fordert schnelle Lösungen.
Naas verweist auf ein Antwortschreiben des Landesumweltministeriums auf eine von ihm im Landtag gestellte Anfrage. Darin räumt Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser ein, dass es in Hessen einen Mangel gebe an allgemein zugänglichem Deponieraum für die seitens der Bauwirtschaft nachgefragten kostengünstigen Kapazitäten der Deponieklassen 0 und I. Weiterhin konstatiert Tappeser einen deutlichen Rückgang der Deponiekapazitäten einschließlich der deponiebautechnischen Verwertung im Regierungsbezirk Darmstadt. So habe sich das Restvolumen der fünf Deponien im Regierungsbezirk – die DK-II-Deponien Dyckerhoffbruch, Büttelborn, Wicker, Brandholz und Hailer – zwischen 2012 und 2017 um 43 Prozent auf 3,08 Mio Kubikmeter verringert.
Aus des FDP-Wirtschaftssprechers hat Landesumweltministerin Priska Hinz (Grüne) die Brisanz der Entwicklung „völlig unterschätzt“. Naas kritisiert, dass in Hessen in den letzten fünf Jahren keine neuen Deponien genehmigt wurden. Wie Staatssekretärin Tappeser in der Landtagsdrucksache angekündigt, soll das Thema Deponieengpass nun im Rahmen der bis 2021 laufenden Fortschreibung des Abfallwirtschaftsplan gemeinsam mit den Deponiebetreibern angegangen werden, um insbesondere neue Kapazitäten für die Entsorgung von Bauschutt und Erdaushub zu schaffen.
Laut Naas kommt dies „viel zu spät“. „Wir haben es hier mit einer echten Investitionsbremse zu tun. Ich glaube, wir müssen diese schneller lösen.“ Umweltministerin Hinz sei daher dringend gefordert, die verfügbaren Deponiekapazitäten zu vergrößern und die anhängigen Genehmigungsverfahren für neue Deponien zu beschleunigen. „Wir brauchen eine vorausschauende Planung der Kapazitäten“, so Naas.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 38/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht der Text bereits im E-Paper zur Verfügung:

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Viele EU-Staaten noch weit von den neuen Zielquoten fürs Kunststoffrecycling entfernt

Die Mitte 2018 in Kraft getretene neue EU-Verpackungsrichtlinie setzt den EU-Staaten neue Zielvorgaben für das Recycling von Verpackungsabfällen. Für viele Staaten bedeuten die für die Jahre 2025 und 2030 vorgegebenen Recyclingquoten eine große Herausforderung, wie aktuell von Eurostat veröffentlichte Zahlen für 2017 verdeutlichen.
Insbesondere beim Recycling von Kunststoffverpackungen bewegt sich die große Mehrheit der Mitgliedsländer teils noch deutlich unter dem für Ende 2025 definierten Mindestziel von 50 Prozent Wiederverwertung bzw. Recycling. Auch beim Glas- und Holzrecycling sind zumindest in einigen Ländern noch größere Anstrengungen nötig, während das 2025-Recyclingziel für Verpackungen aus Papier und Karton nur noch von sehr wenigen Ländern verfehlt wird.

Das von der EU in der neuen Verpackungsrichtlinie festgelegte Ziel, bis Ende 2025 mindestens 65 Gewichtsprozent aller Verpackungen wiederzuverwerten, wurde laut Eurostat im Jahr 2017 bereits von 17 EU-Ländern erfüllt. Die Zielquote von 70 Prozent für 2030 wurde immerhin schon von sechs Ländern erreicht. Berücksichtigt man allerdings zusätzlich noch die spezifischen Zielquoten für die einzelnen Verpackungsarten (Kunststoff, Glas, Holz, PPK, Aluminium und Eisenmetall) konnten im Jahr 2017 einzig Slowenien und Tschechien bereits sämtliche Zielvorgaben für das Jahr 2025 erfüllen.

Insbesondere beim Recycling von Kunststoffverpackungen hinken die meisten EU-Mitgliedstaaten noch den EU-Zielen hinterher. Nur sieben Länder (Bulgarien, Litauen, Niederlande, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Zypern) haben schon 2017 die bis Ende 2025 zu erfüllende Recyclingquote von 50 Prozent überschritten. Während Deutschland mit einem Recyclinganteil von 48,0 Prozent nur knapp unter der Zielquote lag, müssen Malta, Estland, Finnland und Frankreich den Recyclinganteil bis 2025 noch annähernd verdoppeln.

Den vollständigen Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 38/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht der Text bereits im E-Paper zur Verfügung:

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ITAD verwundert über Nabu-Studie zu MVA-Kapazitäten

Mit Verwunderung hat die Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) auf die vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem Entsorger Remondis in der vergangenen Woche vorgestelltenStudie zu den Verbrennungskapazitäten in Deutschland reagiert.
„Wir beteiligen uns gerne an allen sachgerechten Diskussionen über die Rolle und den Umfang der thermischen Abfallbehandlung in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft“, sagte ITAD-Geschäftsführer Carsten Spohn.
Ziel müsse aber die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft mit dem größtmöglichen positiven Effekt für die Umwelt sein. Hierbei sei die thermische Abfallbehandlung ein Grundpfeiler der Kreislaufwirtschaft. Falsch wäre es, aus einer Emotion für oder gegen ein bestimmtes Behandlungsverfahren – realitätsfremde, ökologisch und ökonomisch nachteilige Lösungen zu fordern oder schlimmstenfalls zu etablieren.“

Enge Marktlage und Havarie in den Niederlanden

Die derzeitige Marktlage erklärt die ITAD unter anderem mit dem weiterhin guten Konsumklima, dem Wegfall der Mitverbrennungskapazitäten in Kohlekraftwerken, mangelnde Einsatzmöglichkeiten für bestimmte – minderwertige – Rezyklat-Qualitäten und insbesondere das Fehlen von Verwertungsmöglichkeiten in Südostasien für bestimmte Fraktionen.
Die Entwicklung habe zu einem enormen Bedarf an energetischen Verwertungskapazitäten für Abfallfraktionen geführt, die stofflich nicht verwertet werden können. Die ITAD-Anlagen, aber auch die thermischen Abfallbehandlungsanlagen im Ausland seien daher mehr als gut ausgelastet.
Auch die Situation in den Niederlanden mit der Havarie der AEB-Anlage führe dazu, dass zusätzliche Siedlungsabfälle auf den Markt drängen. Zwar sei die Entsorgungssicherheit für Siedlungsabfälle in Deutschland gewährleistet, allerdings steige der Druck auf Abfallerzeuger und Entsorger bei den Gewerbe- und Industrieabfällen, um freie Kapazitäten zu finden. „Auf Basis dieser Entwicklungen häufen sich je nach Region die Sorgen aus dem Handwerk und der Wirtschaft über derartige Entsorgungsengpässe“, schreibt die ITAD in ihrer Mitteilung.
Die aktuellen Forderungen nach Kapazitätsrückbau werden von der ITAD daher mit Unverständnis zur Kenntnis genommen, auch wenn es sich um Szenarien für die Zukunft handelt. „Schon vor einigen Jahren wurde nach jahrelangen Diskussionen um Überkapazitäten bei der thermischen Abfallbehandlung eine Studie vorgestellt, die den Rückbau der Anlagenkapazitäten auf zehn Anlagen gefordert hat, um massive Hemmnisse für das Recycling abzubauen“, sagte Spohn. Schon damals habe sich gezeigt, dass sich die Grundannahmen zur Ermittlung der Kapazitäten für die energetische Verwertung als wenig verlässlich erwiesen haben und an den realen Anforderungen der Kreislaufwirtschaft vorbeigegangen sind.
Eine ausführliche Berichterstattung zu der Studie lesen Sie in Ausgabe 38/2019 von EUWID Recycling und Entsorgung.

Mitverbrennungmenge in der Zementindustrie 2018 auf 3,6 Mio Tonnen gestiegen

Die deutsche Zementindustrie deckt ihren Energieverbrauch zu einem immer größeren Anteil durch abfallbasierte Brennstoffe. Der Anteil dieser alternativen bzw. sekundären Brennstoffe (SBS) am gesamten Brennstoffenergieeinsatz lag im Jahr 2018 bei 67,5 Prozent, wie aus aktuell vom Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Der SBS-Anteil liegt damit nochmals 2,5 Prozentpunkte höher als der bisherige Rekordwert aus dem Vorjahr. Absolut setzte die Branche 3,601 Mio Tonnen alternative Brennstoffe ein, was ebenfalls einen Höchststand bedeutet. Im Vorjahresvergleich zeigt sich allerdings nur ein geringfügiger Anstieg um 0,3 Prozent, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Zementproduktion insgesamt leicht rückläufig war.
Laut den vom VDZ veröffentlichten Umweltdaten 2018 produzierte die deutsche Zementindustrie im letzten Jahr mit ihren 21 Unternehmen in 53 Werken etwa 33,7 Mio Tonnen Zement (Vorjahr: 34,0 Mio t). Den gesamten, vor allem für das Brennen des Zementklinkers im Berichtsjahr benötigten Energiebedarf beziffert der VDZ auf 96,0 Mio Gigajoule. Die durch alternative Brennstoffe erzeugte Energiemenge lag bei 64,8 Mio GJ und damit 1,8 Mio GJ höher als im Vorjahr. Gleichzeitig ist der Energiebedarf aus fossilen Brennstoffen wie Braun- und Steinkohle von 33,9 auf 31,2 Mio GJ gesunken.

Mitverbrennung von Kunststoffen und Klärschlamm nimmt weiter zu

Wichtigster Inputstoff unter den alternativen bzw. Sekundärbrennstoffen waren wie in den Vorjahren Fraktionen aus Industrie- und Gewerbeabfällen. Im Vorjahresvergleich ergibt sich hier ein deutlicher Mengenanstieg um 6,5 Prozent auf 1,976 Mio Tonnen. Vor allem Kunststoffabfälle gingen vermehrt den Weg in die Mitverbrennung, was auch mit den schwierigeren Absatzmöglichkeiten im Export im Zuge der chinesischen und im Nachgang auch in anderen asiatischen Ländern implementierten Importrestriktionen zusammenhängen dürfte.
Auf Platz zwei der am häufigsten verwendeten Sekundärbrennstoffe befindet sich weiterhin Klärschlamm. Auch hier zeigt die VDZ-Statistik für 2018 einen starken Mengenzuwachs um 7,8 Prozent. Mit 633.000 Tonnen (Vorjahr: 587.000 t) ging mehr Klärschlamm als jemals zuvor in die Mitverbrennung. Auch dieser Anstieg dürfte im Kontext politischer Veränderungen stehen. So haben sich die landwirtschaftlichen Entsorgungskapazitäten für Klärschlamm durch die Novelle der Düngeverordnung verknappt.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 38/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht der Text bereits im E-Paper zur Verfügung:

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Panne bei Datenübernahme: FKN lässt Ökobilanz für Getränkekartons überprüfen

Der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel (FKN) wird einen Teil der Ergebnisse seiner neuen Ökobilanz zu Milch- und Fruchtsaftverpackungen vorerst nicht mehr kommunizieren. Grund: Daten eines externen Fachgutachters zur Distributionsentfernung von Mehrwegflaschen wurden vom Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) fehlerhaft übernommen.
Zuvor hatten Verbände der Glas- und Fruchtsaftindustrie sowie des Getränkefachgroßhandels Zweifel an den nach ihrer Einschätzung zu hohen Transportdistanzen von Mehrwegflaschen angemeldet. Wie der FKN erklärte, seien daraufhin die Distributionsmodelle nochmals überprüft worden. Dabei wurde laut FKN eine fehlerhafte Datenübernahme festgestellt.
Fragen zur Distributionsstruktur und der Zuordnung von Abfüllmengen hätten darüber hinaus nicht abschließend geklärt werden können. „Von daher bedarf die Ableitung der Distributionsstruktur im Getränkesegment Säfte und Nektare einer tiefergehenden Analyse, die eine aktive Mitwirkung der betroffenen Wirtschaftsbeteiligten erfordert“, heißt es in einer Stellungnahme von Ifeu.
Fruchtsaft ist neben Frischmilch und H-Milch einer von drei Getränkebereichen, die im Rahmen der Studie untersucht wurden. Die Ökobilanz, die als erste nach den neuen Anforderungen des Umweltbundesamtes (UBA) erstellt wurde, war Ende vorigen Jahres abgeschlossen und im Juli präsentiert worden.Sie attestierte dem Getränkekarton bei Milch eine deutliche ökologische Überlegenheit im Vergleich zu allen konkurrierenden Mehrweg- und Einwegalternativen und bei Fruchtsaft eine ökologische Gleichwertigkeit mit Mehrweg-Glas.

Wohl keine grundsätzlich anderen Ergebnisse

„Eine grundsätzliche Änderung der Studienergebnisse ist nach ersten Berechnungen des Ifeu-Instituts selbst dann nicht zu erwarten, wenn mit halbierten Mehrweg-Transportentfernungen gerechnet würde. Allerdings würde sich der bislang deutliche Vorteil des Getränkekartons bei Saft in der Kategorie Klimaschutz verkleinern“, teilte der FKN mit.
Bei Milch sei der Vorsprung des Getränkekartons in nahezu allen Wirkungskategorien gegenüber Mehrweg und PET-Einwegflaschen so groß, dass sich an dem Befund nichts ändern werde. „Bis belastbare Daten zu Transportentfernungen vorliegen, wird der FKN die Ergebnisse des ökobilanziellen Vergleichs zwischen der Fruchtsaft-Mehrwegflasche und dem Getränkekarton nicht weiter kommunizieren“, so der Fachverband.

HVC will AEB Amsterdam übernehmen

Das in Alkmaar ansässige kommunale Entsorgungsunternehmen HVC will den MVA-Betreiber AEB Amsterdam vollständig übernehmen. Mit der erforderlichen Buchprüfung werde unverzüglich begonnen, teilte die Stadt Amsterdam als Eigentümerin des Unternehmens mit. Sie strebt nach eigenen Angaben eine Einigung noch vor Jahresende an.
HVC äußerte sich zurückhaltender. Der Entsorger gehört einer Gruppe von 44 Gemeinden und sechs Wasserverbänden und arbeitet nach eigenen Angaben nur für seine Gesellschafter. HVC habe daher vorgeschlagen, dass die Gemeinde Amsterdam dem Kollektiv HVC als Aktionär beitrete, teilte das Unternehmen mit.
Diese Option würden die Stadt Amsterdam und HVC zusammen mit AEB jetzt näher prüfen. Wenn diese Untersuchungen zum Schluss führten, dass eine solche Zusammenarbeit tatsächlich im gemeinsamen Rahmen realisiert werden könne, werde der Vorschlag den HVC-Aktionären vorgelegt, um darüber zu entscheiden, erklärte der Entsorger.

Nabu: Bis 2030 können viele MVA abgeschaltet werden

Bis zum Jahr 2030 könnten viele Müllverbrennungsanlagen in Deutschland abgeschaltet werden. Diese Ansicht vertritt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie des Öko-Instituts und Alwast Consulting, die der Umweltverband heute zusammen mit dem Entsorger Remondis in Berlin vorgestellt hat.
Aktuell werden rund 26 Mio Tonnen Afall pro Jahr in Deutschland verbrannt. Würden die Abfallgesetze vollständig umgesetzt, Müll konsequent getrennt und die geltenden Recyclingquoten eingehalten, müssten nur noch 21 Mio Tonnen Abfall jährlich thermisch verwertet werden, heißt es in der Studie laut Nabu. Über ein Fünftel der derzeitigen Verbrennungskapazitäten deutscher Müllverbrennungsanlagen könnte so eingespart werden.

Im ehrgeizigen Szenario nur 17 Mio Tonnen Kapazität benötigt

Im ehrgeizigsten Szenario der Studie sinken die Abfälle zur Verbrennung sogar um mehr als ein Drittel auf 17 Mio Tonnen. Die Kreislaufwirtschaft könne somit ihren Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten, wenn die Müllverbrennung eine kleinere Rolle spielt als bisher, schlussfolgert der Nabu. Vor allem werde immer noch zu viel Bioabfall verbrannt, statt diesen für die Strom- und Wärmegewinnung zu nutzen, heißt es in einer Mitteilung des Naturschutzbundes.
Gäbe es eine flächendeckende Biotonne in Deutschland, könnten fast vier Mio Tonnen des Bio- und Grünguts zu Biogas vergärt und zu Kompost verwandelt werden, statt in den Verbrennungsöfen zu landen. Ähnliches gelte für Verpackungsabfälle: Wenn die Recyclingvorgaben des Verpackungsgesetzes eingehalten würden, könnten eine Viertelmillion Tonnen Verpackungsabfälle als Recyclingmaterial ein zweites Leben erhalten. Mit einer flächendeckenden Wertstofftonne, in der neben Verpackungen auch Produkte aus Kunststoffen und Metallen gesammelt werden, würden knapp eine Mio Tonnen Verpackungen in das Recycling geschleust statt in Verbrennungsanlagen. So ließen sich über 3,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Bei Gewerbeabfällen gebe es gesetzliche Vorgaben für mehr Recycling, die jedoch aufgrund fehlender Kontrollen der Gewerbetreibenden und Behandlungsanlagen nicht eingehalten werden. Durch Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung könnte man somit weitere 1,7 Mio Tonnen Abfälle jährlich der Verbrennung entziehen und 3,5 Mio Tonnen CO2 einsparen.

Hoher Moderinsierungsbedarf im MVA-Park

Der Studie zufolge müssen 49 der 66 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland bis zum Jahr 2030 modernisiert werden. Betroffen seien demnach über 60 Prozent der heutigen Gesamtkapazitäten. Anstatt Hunderte von Millionen € in die Sanierung alter Anlagen zu stecken, sollten Bund, Länder, Städte, Kreise und Betreiber auf bessere Getrenntsammlung setzen und gemeinsame Konzepte für den räumlich sinnvollen Rückbau der Verbrennungsanlagen erarbeiten“, fordert der Nabu.
„Das Geld wäre viel besser aufgehoben, würde man es in eine effektive Entsorgungsinfrastruktur mit mehr Sortierung und Recycling, mehr Abfallberatung und Maßnahmen zur generellen Reduzierung unserer Müllmengen stecken,“ sagte Michael Jedelhauser vom Nabu.
Einen ausführlichen Artikel über die Studie lesen Sie kommende Woche in Ausgabe 38/2019 von EUWID Recycling und Entsorgung.

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