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Kreislaufwirtschaft wächst in Deutschland weiter

Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich in Deutschland zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Sowohl Umsatz als auch Beschäftigtenzahl legen in der Branche weiter deutlich zu. Das geht aus dem heute vorgestellten Statusbericht Kreislaufwirtschaft hervor. Demzufolge konnten die in der Branche tätigen Unternehmen ihre Umsätze zwischen 2010 und 2017 um fast 18 Prozent auf 84 Mrd € steigern – ein Plus von über zwei Prozent pro Jahr.
Die Zahl der in der Kreislaufwirtschaft Beschäftigten erhöhte sich zwischen 2010 und 2019 um rund 33.000 auf mehr als 310.000, wobei fast die Hälfte des Anstiegs auf die letzten beiden Jahre entfiel. In der Kreislaufwirtschaft seien damit mittlerweile fast genauso viele Personen beschäftigt wie in der Energiewirtschaft und fast viermal so viele Personen wie in der Wasser- und Abwasserwirtschaft, betont die Prognos AG, welche den Bericht zusammen mit Infa und unter Beteiligung von insgesamt 14 Verbänden der Entsorgungswirtschaft sowie der Messe München erstellt hat.
„Die Entwicklung der Beschäftigtenzahl ist besonders erfreulich und zeigt, dass die Kreislaufwirtschaft zu den Zukunftsbranchen gehört“, erklärt BDE-Präsident Peter Kurth. Die besondere Wachstumsdynamik von jeweils über drei Prozent in den letzten beiden Jahren verdeutliche auch die enormen Jobpotenziale der Branche für die gesamte EU.
Die Bruttowertschöpfung der Branche erhöhte sich bis 2017 sogar um rund 30 Prozent auf über 28 Mrd €. Die Zahl der in der Sammlung und Verwertung von Abfällen, dem Handel mit Sekundärrohstoffen sowie der Abfalltechnik tätigen Unternehmen ist in Deutschland allerdings seit 2012 um rund 1.000 auf 10.700 zurückgegangen. Hier lasse sich mit besonderem Blick auf kleinere Unternehmen ein Konsolidierungsprozess feststellen, heißt es in dem Bericht. So liege der wesentliche Grund für diese negative Entwicklung in einem grundsätzlich wachsenden Markt im Ausscheiden oder auch in der Übernahme von Kleinstunternehmen mit Jahresumsätze bis 250.000 €.

Während im Segment „Technik für die Kreislaufwirtschaft“ die Anzahl der Unternehmen mit 1.300 in etwa konstant geblieben ist, sind in allen anderen Segmenten zum Teil deutliche Rückgänge zu verzeichnen. So ging die Zahl der Unternehmen sowohl im Bereich Verwertung und Beseitigung als auch im Handel um jeweils rund zehn Prozent zurück.
Den größten Beitrag zum Gesamtumsatz in der Kreislaufwirtschaft trägt das Segment „Abfallverwertung und Beseitigung“ mit rund 35,70 Mrd € bei. Dahinter folgt der Bereich „Abfallsammlung, Transport und Straßenreinigung“ mit 21,9 Mrd €. Im Großhandel mit Altmaterialien wurden 2017 insgesamt 14,3 Mrd € umgesetzt, die Anbieter von Technik für die Abfallwirtschaft trugen mit 12,1 Mrd € zum Gesamtumsatz der Branche bei.

Deutschland verliert im Technologiewettbewerb an Boden

Mit Sorge blickt der Bericht auf die Entwicklung der Patentanmeldungen in der Abfalltechnik. Deutschland gehöre mit einem Anteil an den weltweit angemeldeten Patenten von gut elf Prozent zwar weiterhin zu den Technologieführern. Allerdings ist China in den vergangenen Jahren an Deutschland vorbeigezogen. So kamen 2017 schon rund 17 Prozent der weltweiten Patentanmeldungen für Abfalltechnik aus dem Reich der Mitte. Deutschland hat dabei, ebenso wie die USA, in den letzten Jahren etwas an Boden verloren. Angesichts der internationalen Konkurrenz und den Entwicklungen beim Patentranking warnt bvse-Geschäftsführer Eric Rehbock auch davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Zu den wichtigsten Patentaktivitäten im Marktsegment „Technik für die Kreislaufwirtschaft“ nennt der Statusbericht technologische Entwicklungen, unter anderem im Bereich der Sortier- und Trenntechnik sowie der Sammelbehälter. Beispiele hierfür sind etwa innovative Lösungen zum Sortieren von gemischten Haushaltsabfällen, für Trennverfahren von Kunststoffen auf Basis von Bilderkennungssystemen oder für Unterflurbehältersysteme.
Die deutschen Unternehmen könnten sich angesichts des zunehmen internationalen Wettbewerbs nur dann dauerhaft auf dem Weltmarkt behaupten, wenn sie mit kontinuierlichen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen ihre Innovationsdynamik auf einem hohen Niveau halten, heißt es. Der Anteil der weltweit vergebenen Patente für Technologien in der Kreislaufwirtschaft steige ausgerechnet in den Hauptexportländern für deutsche Produkte und Sekundärrohstoffe. Dies müsse zu nationalen Anstrengungen im Bereich der Forschung und Entwicklung führen, fordern die Experten im aktuellen Statusbericht.

BDE betont Beitrag der Branche zum Klimaschutz

Für BDE-Präsident Kurth kommt der aktuelle Statusbericht trotz der coronabedingten Verzögerung zum richtigen Zeitpunkt: „Aktuell sind die politischen Parteien dabei, sich auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr vorzubereiten und dafür ihre Wahlprogramme zu formulieren. Dieser Statusbericht belegt eindrucksvoll, dass die Kreislaufwirtschaft ein großer Hebel für den Klimaschutz sein kann, dabei aber den Gesetzgeber braucht.“
Dem Bericht zufolge werden durch den Einsatz von Recyclingrohstoffen in der produzierenden Industrie jährlich rund 50 Mio Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Die Substitutionsquote von Sekundärrohstoffen liege dabei aber lediglich bei zwölf Prozent. „Diese Quote sollte in der nächsten Legislaturperiode verdoppelt werden. Die Kreislaufwirtschaft stünde dann für eine CO2-Einsparung, die dem Anderthalbfachen der gesamten Windenergie entspricht“, verdeutlicht Kurth die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für den Klimaschutz.

ITAD erwartet wachsende Bedeutung für Abfallverbrennung

Aus Sicht der ITAD zeigt der Statusreport außerdem „die enorme und immer wichtiger werdende Rolle der thermischen Abfallbehandlung“ für die Kreislaufwirtschaft und die klimafreundliche Energieversorgung in Deutschland. „Die Kreislaufwirtschaft braucht zwingend eine Senke für nicht recycelbare oder schadstoffbelastete Abfälle. Denn viele Stoffe unserer Industriegesellschaft können am Ende ihrer Lebensdauer oder aus hygienischen und infektionspräventiven Gründen leider nicht in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können“, so Verbandsgeschäftsführer Carsten Spohn.
Die ITAD sieht insbesondere außerhalb Deutschlands eine steigende Bedeutung der thermischen Abfallbehandlung. „Deponien werden künftig in ganz Europa für nicht-mineralische Abfälle geschlossen. Damit kommt der thermischen Abfallbehandlung auch dort die Aufgabe zu, ein möglichst hochwertiges Recycling und eine saubere Kreislaufwirtschaft zu garantieren“, betont Spohn.

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