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Rainer Cosson: „Wenn das Auto zurückgedrängt wird, ist dies ein Aderlass der Stahlindustrie“

Die deutsche Stahlindustrie und mit ihr die Schrottwirtschaft bewegen sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Geopolitische Verwerfungen in Form des US-chinesischen Handelskriegs und der Brexit-Diskussionen belasten die konjunkturelle Entwicklung. Darüber hinaus befindet sich mit der Automobilwirtschaft eine der wichtigsten Stahl verbrauchenden und Schrott produzierenden Industrien im Umbruch. BDSV-Hauptgeschäftsführer Rainer Cosson sprach mit EUWID über die derzeitige Branchenentwicklung und die Herausforderungen für die Stahl- und Schrottwirtschaft.
Herr Cosson, Ihr Einstand bei der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) fiel in die Zeit der großen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Welche Auswirkungen hatte diese für die Stahl- und Schrottwirtschaft und wie hat sich die Branche seither entwickelt?
Als ich Anfang 2009 – nach siebzehneinhalb Jahren Tätigkeit beim BDE – meinen Dienst bei der BDSV antrat , war die Situation  in der Stahl- und Schrottbranche nicht gut. Die Krise war bekanntlich durch das Aus der US-Bank Lehmann Brothers ausgelöst worden und hatte etliche gravierende Folgeeffekte. Nicht zuletzt durch kluge wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen ist es in der Weltkonjunktur bei dem „Dip“ geblieben. Die Weltwirtschaft erholte sich erstaunlich schnell.
Gleichwohl hat es die europäische Stahlindustrie – die deutsche insbesondere – nicht vermocht, an ihre ursprüngliche Bedeutung anzuknüpfen. Stattdessen haben wir feststellen können, dass die chinesische Stahlproduktion extrem ausgeweitet wurde. Heute stellt China etwa die Hälfte der Weltstahlproduktion dar. Die europäische Stahlproduktion ist von einer rigiden Umweltpolitik umgeben, zudem gibt es große Überkapazitäten und einen hohen Importdruck, die die Produktion in vielen deutschen Werken auf nur etwa 80 Prozent der tatsächlichen Möglichkeiten reduziert. Die europäischen Stahlwerke haben die richtige Konsequenz gezogen, sich auf Spezialstahlprodukte, und das vor allem für die Automobilindustrie, zu stützen; sonst wäre die Situation noch desolater.
In Deutschland steht die Stahlwirtschaft in einer besonderen Symbiose mit der Automobilindustrie. Die derzeitige konjunkturelle Schwäche des Autosektors trifft die Stahlbranche daher in besonderem Maße. Wie bewerten Sie die Zukunft der Automobilindustrie, insbesondere mit Blick auf die aktuelle Dieselkrise und den politisch forcierten Umstieg auf die Elektromobilität?
Die Abhängigkeit der deutschen Stahlindustrie von der Automobilwirtschaft ist unbestritten. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl geht davon aus, dass der Anteil der Automobilwirtschaft am Stahlbedarf 26 Prozent beträgt. Wenn das Auto – wie derzeit – systematisch und durch die unterschiedlichsten Maßnahmen zurückgedrängt wird, ist dies gleichzeitig ein Aderlass der deutschen Stahlindustrie.
Ich glaube, es ist andererseits eine Milchmädchenrechnung, dass Autos mit Verbrennungsmotor durch Autos mit Elektroantrieb quasi 1:1 ersetzt werden. Schon heute stellen wir fest, dass gerade in großstädtischen Räumen der Individualverkehr mit dem Auto überproportional zurückgeht. Diese Bewegung wird sich meines Erachtens in den kommenden Jahren durch Verbesserung alternativer Fortbewegungsmöglichkeiten verstärken.

Das vollständige Interview mit Rainer Cosson lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 46/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht das Interview bereits ab Dienstag, 14 Uhr in unserem E-Paper zur Verfügung:

E-Paper – EUWID Recycling und Entsorgung

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