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Nabu: Bis 2030 können viele MVA abgeschaltet werden

Bis zum Jahr 2030 könnten viele Müllverbrennungsanlagen in Deutschland abgeschaltet werden. Diese Ansicht vertritt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie des Öko-Instituts und Alwast Consulting, die der Umweltverband heute zusammen mit dem Entsorger Remondis in Berlin vorgestellt hat.
Aktuell werden rund 26 Mio Tonnen Afall pro Jahr in Deutschland verbrannt. Würden die Abfallgesetze vollständig umgesetzt, Müll konsequent getrennt und die geltenden Recyclingquoten eingehalten, müssten nur noch 21 Mio Tonnen Abfall jährlich thermisch verwertet werden, heißt es in der Studie laut Nabu. Über ein Fünftel der derzeitigen Verbrennungskapazitäten deutscher Müllverbrennungsanlagen könnte so eingespart werden.

Im ehrgeizigen Szenario nur 17 Mio Tonnen Kapazität benötigt

Im ehrgeizigsten Szenario der Studie sinken die Abfälle zur Verbrennung sogar um mehr als ein Drittel auf 17 Mio Tonnen. Die Kreislaufwirtschaft könne somit ihren Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten, wenn die Müllverbrennung eine kleinere Rolle spielt als bisher, schlussfolgert der Nabu. Vor allem werde immer noch zu viel Bioabfall verbrannt, statt diesen für die Strom- und Wärmegewinnung zu nutzen, heißt es in einer Mitteilung des Naturschutzbundes.
Gäbe es eine flächendeckende Biotonne in Deutschland, könnten fast vier Mio Tonnen des Bio- und Grünguts zu Biogas vergärt und zu Kompost verwandelt werden, statt in den Verbrennungsöfen zu landen. Ähnliches gelte für Verpackungsabfälle: Wenn die Recyclingvorgaben des Verpackungsgesetzes eingehalten würden, könnten eine Viertelmillion Tonnen Verpackungsabfälle als Recyclingmaterial ein zweites Leben erhalten. Mit einer flächendeckenden Wertstofftonne, in der neben Verpackungen auch Produkte aus Kunststoffen und Metallen gesammelt werden, würden knapp eine Mio Tonnen Verpackungen in das Recycling geschleust statt in Verbrennungsanlagen. So ließen sich über 3,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Bei Gewerbeabfällen gebe es gesetzliche Vorgaben für mehr Recycling, die jedoch aufgrund fehlender Kontrollen der Gewerbetreibenden und Behandlungsanlagen nicht eingehalten werden. Durch Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung könnte man somit weitere 1,7 Mio Tonnen Abfälle jährlich der Verbrennung entziehen und 3,5 Mio Tonnen CO2 einsparen.

Hoher Moderinsierungsbedarf im MVA-Park

Der Studie zufolge müssen 49 der 66 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland bis zum Jahr 2030 modernisiert werden. Betroffen seien demnach über 60 Prozent der heutigen Gesamtkapazitäten. Anstatt Hunderte von Millionen € in die Sanierung alter Anlagen zu stecken, sollten Bund, Länder, Städte, Kreise und Betreiber auf bessere Getrenntsammlung setzen und gemeinsame Konzepte für den räumlich sinnvollen Rückbau der Verbrennungsanlagen erarbeiten“, fordert der Nabu.
„Das Geld wäre viel besser aufgehoben, würde man es in eine effektive Entsorgungsinfrastruktur mit mehr Sortierung und Recycling, mehr Abfallberatung und Maßnahmen zur generellen Reduzierung unserer Müllmengen stecken,“ sagte Michael Jedelhauser vom Nabu.
Einen ausführlichen Artikel über die Studie lesen Sie kommende Woche in Ausgabe 38/2019 von EUWID Recycling und Entsorgung.

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