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DSD-Kauf: Remondis droht harte Untersagung

Der deutliche Aufschlag des Bundeskartellamts am Montag hat viele Branchenkenner überrascht. Mit der öffentlichen Ankündigung, aufgrund des bisherigen Ermittlungsergebnisses Remondis die Übernahme des Grünen Punktes untersagen zu wollen, haben die Wettbewerbshüter vor allem die Kritiker der knapp 150 Mio € schweren Transaktion zunächst beruhigt.
Die Chancen für Deutschlands größten Entsorger, die kartellrechtliche Genehmigung für die Übernahme der DSD-Holding zu erhalten, scheinen wenig aussichtsreich zu sein. Das legt der EUWID vorliegende Entscheidungsentwurf der 4. Beschlussabteilung nahe. Ob und mit welchen Zugeständnissen Remondis die bislang ablehnende Haltung im Kartellamt noch zu seinen Gunsten ändern kann, ist derzeit offen.
Allem Anschein nach wird im Bonner Amt die Linie einer „harten“ Untersagung verfolgt: Denn auf 153 Seiten argumentieren die Wettbewerbshüter durchweg gegen die Fusion. Die Erkenntnis, dass Remondis und DSD zusammen bei der Vermarktung von Altglas eine marktbeherrschende Stellung einnehmen würde, ist für Marktkenner zwar weniger überraschend. Alleine diese Kritik wäre über Zusagen wie den Verkauf von Aufbereitungsanlagen wohl noch auszuräumen.

Marktmacht und Verdrängungsstrategien

Schwerer wiegen dürften allerdings die Befürchtungen der Kartellwächter zur künftigen Marktentwicklung der dualen Systeme und die Folgewirkungen auf die Wettbewerber von Remondis. Der größte Entsorger und das größte duale System könnten – so das Kartellamt – gemeinsam ihre Marktmacht nutzen, insbesondere bei der Erfassung, um mittels Verdrängungsstrategien wirksamen Wettbewerb zu behindern. In der Folge könnten höhere Kosten für DSD-Wettbewerber sowie erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD drohen – was letztlich zu höheren Preisen auf dem Markt für duale Systeme führen könnte, so die Befürchtung.
In der Vergangenheit hat das Kartellamt dem Rethmann-Konzern auf dem Entsorgungsmarkt nur selten einen größeren Strich durch die Rechnung gezogen. Als 2000/2001 Rethmann seine Anteile an der damaligen Interseroh AG aufstocken und die Mehrheit erlangen wollte, musste der Entsorger nach einer Abmahnung der Kartellwächter diesen Plan aufgeben. Als Remondis 2005 den Großteil der RWE Umwelt AG übernahm, war eine Bedingung für die Zustimmung des Kartellamtes, alle Bande zu Interseroh zu lösen und die restlichen Anteile zu verkaufen. Zudem musste Firmenpatriarch Norbert Rethmann sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender der Interseroh AG aufgeben. Der Berliner Entsorger Alba hatte dann 2006 Interseroh mehrheitlich übernommen. Remondis beteiligte sich kurze Zeit danach an der Contwin GmbH, dem Vorläufer des Dualen Systems Eko-Punkt, das vor einigen Jahren seinen Systembetrieb aufgegeben hat.
Einen ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe 17/2019 von EUWID Recycling und Entsorgung.

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